KI-Rechenzentren heizen ihre Umgebung um bis zu 9,1 °C auf — 340 Millionen Menschen sind betroffen. Das ist keine Warnung mehr. Das ist eine Studie, die bereits eingetretene Schäden dokumentiert.
Was die Forschung zeigt
Forschende der University of Cambridge haben in einer am 27. März 2026 veröffentlichten Studie die Auswirkungen von KI-Rechenzentren auf die Umgebungstemperatur analysiert. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Die Landoberflächentemperatur steigt nach Inbetriebnahme eines Rechenzentrums um durchschnittlich 2 °C. In Extremfällen — bis zu 9,1 °C.
Der Effekt beschränkt sich dabei nicht auf die unmittelbare Umgebung. Die Erwärmung ist noch in 10 Kilometern Entfernung messbar. In 7 Kilometern Entfernung beträgt die Intensität noch 30 Prozent des Maximums.
340 Millionen Menschen betroffen
Die Forschenden schätzen, dass mehr als 340 Millionen Menschen innerhalb von 10 Kilometern eines KI-Rechenzentrums leben — und damit in Gebieten, die wärmer sind als ohne das Rechenzentrum. Betroffene Regionen mit messbaren 2 °C Temperaturanstieg über 20 Jahre (2004–2024) sind laut Studie die Bajío-Region in Mexiko und die Provinz Aragon in Spanien.
Die Wachstumsprognose macht das Problem gravierender
JLL, ein Immobilienberatungsunternehmen, schätzt, dass die Rechenzentrumskapazität zwischen 2025 und 2030 weltweit verdoppelt wird — KI wird laut Prognose die Hälfte dieser Nachfrage ausmachen. Wenn die Verdopplung eintritt, verdoppelt sich auch die thermische Belastung für umliegende Gebiete.
Warum das kein triviales Problem ist
Chris Preist von der University of Bristol merkt an, dass die Studie differenziert betrachtet werden sollte — ein Teil der Erwärmung könnte von besonnten Gebäudefassaden stammen, nicht nur von der Rechenleistung selbst. Doch Andrea Marinoni, Hauptautor der Studie, fasst zusammen: „Die Botschaft, die ich vermitteln möchte: Seien Sie vorsichtig beim Design und bei der Entwicklung von Rechenzentren.“
Was das für die KI-Industrie bedeutet
Die KI-Industrie redet viel von Nachhaltigkeit — CO2-neutrale Rechenzentren, grüne Energie, Effizienz-Improvements. Die Realität ist, dass der explosive Wachstum der KI-Infrastruktur bereits messbare Umweltauswirkungen hat, die in der öffentlichen Debatte kaum vorkommen.
Wenn JLL recht behält und die Kapazität sich bis 2030 verdoppelt, verdoppelt sich auch die thermische Belastung. Ohne regulatorische Gegenmaßnahmen entsteht ein permanent wachsender Daten-Hitze-Insel-Effekt.
Originalstudie und Quellen
Die Studie „The data heat island effect: quantifying the impact of AI data centers on surrounding land surface temperatures“ wurde auf arXiv veröffentlicht (DOI: 2603.20897). Sekundärberichterstattung von New Scientist und CNN.
Häufig gestellte Fragen
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Forschenden nutzten Satellitenmessungen der Landoberflächentemperatur über 20 Jahre und glichen sie mit den geografischen Koordinaten von mehr als 8.400 KI-Rechenzentren ab. Um Verzerrungen durch städtische Wärmeinseln zu vermeiden, konzentrierten sie sich auf Rechenzentren außerhalb dicht besiedelter Gebiete.
Sind die Rechenzentren selbst die Hauptursache?
Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Inbetriebnahme und Temperaturanstieg. Die Frage, wie viel davon direkte Abwärme der Server ist und wie viel durch Gebäudemerkmale verursacht wird, bedarf weiterer Forschung. Der Temperatureffekt selbst ist jedoch unbestreitbar.
Gibt es Lösungsansätze?
Effizientere Kühlsysteme, Standortwahl abseits bewohnter Gebiete, Nutzung von Abwärme für Heizsysteme — alles diskutierte Ansätze. Ob sie in ausreichendem Maßstab umgesetzt werden, ist eine andere Frage.


