Goldman Sachs: KI-Hype groß, Produktivitätsgewinn nur in 2 Bereichen

Die Kluft zwischen Hype und Realität

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In der aktuellen Earnings-Saison haben 70 % der S&P-500-Unternehmen KI auf ihren Quarterly-Calls diskutiert – ein Rekordwert. 54 % davon haben die Technologie explizit im Kontext von Produktivität und Effizienz erwähnt.

Doch wenn es um harte Zahlen ging, wurde es dünn. Nur 10 % der Unternehmen haben die Auswirkungen von KI auf konkrete Anwendungsfälle quantifiziert. Und nur 1 % konnte den Effekt auf Earnings beziffern.

Goldman Sachs kommt zu einem ernüchternden Fazit: „Wir finden weiterhin keine signifikante Beziehung zwischen Produktivität und KI-Adoption auf gesamtwirtschaftlicher Ebene.“

Wo KI trotzdem funktioniert – mit 30 % Produktivitätsgewinn

Hier kommt das „Aber“. Die Unternehmen, die KI tatsächlich gemessen und implementiert haben, berichten von erheblichen Gewinnen. Die beiden klaren Gewinner:

  • Kundenservice
  • Softwareentwicklung

In diesen beiden Bereichen erzielen Unternehmen einen medialen Produktivitätsgewinn von etwa 30 %. Das ist nicht marginal – das ist transformativ. Goldman stellt fest, dass genau diese Unternehmen bereits开始在 Einstellungsentscheidungen gegensteuern: Companies, die KI im Kontext ihrer Belegschaft diskutierten, haben ihre Jobangebote im letzten Jahr um 12 % reduziert – steiler als die 8 % bei allen anderen Unternehmen.

Die Welle kommt – aber langsamer als gedacht

Die schlechte Nachricht für alle, die auf einen schnellen KI-Umbruch gehofft haben: Die erwartete Produktivitätsrevolution lässt auf sich warten. Das liegt nicht daran, dass KI nicht funktioniert. Sondern daran, dass:

  • Implementierung teuer und aufwändig ist
  • Firmen strukturelle Veränderungen brauchen, um KI wirklich nutzbar zu machen
  • die echten Gewinne bisher auf wenige Bereiche konzentriert sind

Wharton-Professor Peter Cappelli, der mehrere Unternehmen bei der KI-Implementierung begleitet hat, fasst es so: Die Produktivitätsgewinne sind real – aber dorthin zu kommen, ist harte Arbeit und ziemlich teuer.

Die Job-Frage: 11 Millionen Jobs irgendwann, aber nicht morgen

Goldman prognostiziert, dass langfristig etwa 6 bis 7 % der работников – rund 11 Millionen Jobs – durch KI-Automatisierung wegfallen werden. Das ist ein signifikanter Teil des Arbeitsmarkts.

Aber: Die aktuelle Korrelation zwischen KI-Adoption und breiten Arbeitsmarktergebnissen bleibt klein und statistisch nicht signifikant. Mit anderen Worten: Der große Kippmoment ist noch nicht da.

Die andere Seite der Medaille: 667 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur

Unabhängig von der Produktivitätsdebatte investieren die großen Tech-Konzerne massiv. Goldman hat seine Capex-Erwartungen für 2026 auf 667 Milliarden Dollar angehoben – ein Plus von 24 % seit Saisonbeginn und 62 % mehr als 2025. Das ist geld, das in Cloud- und KI-Infrastruktur fließt.

Der Beitrag zum BIP-Wachstum fällt dagegen bescheiden aus: Nur 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte – wegen der starken Abhängigkeit von importierten Kapitalgütern.

Was bedeutet das für dich?

Goldmans Analyse zeigt ein Wirtschaftsbild in der Transition:

  • Der KI-Hype ist real – in den Boardrooms, in den Medien, an der Börse
  • Die Produktivitätsrevolution ist ebenfalls real – aber bisher nur in Kundenservice und Softwareentwicklung
  • Für die breite Wirtschaft passiert noch wenig – trotz 70 % Diskussionsrate
  • Die Job-Effekte kommen – aber als langfristige Verschiebung, nicht als Schock
  • Die Investitionen explodieren – und werden die Welle irgendwann brechen lassen

Wer in der Softwareentwicklung oder im Kundenservice arbeitet, spürt die Auswirkungen bereits jetzt. Alle anderen: Die Welle kommt, nur langsamer als die lautesten Stimmen behaupten.


Das solltest du mitnehmen

  • Goldman Sachs findet keine messbare Verbindung zwischen KI und Produktivität auf gesamtwirtschaftlicher Ebene.
  • In Softwareentwicklung und Kundenservice erzielen Unternehmen jedoch 30 % Produktivitätsgewinn.
  • Nur 10 % der S&P-500-Unternehmen können KI-Auswirkungen konkret beziffern.
  • Langfristig könnten 11 Millionen Jobs durch KI wegfallen – aber nicht morgen.
  • Die großen Tech-Konzerne investieren 667 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur – der Effekt auf den BIP bleibt vorerst minimal.

Häufige Fragen

Heißt das, dass KI keine Jobs kostet?
Doch, langfristig schon. Goldman schätzt 6–7 % der Arbeitsplätze. Aber der Prozess ist graduell, nicht schlagartig – und aktuell sind die Auswirkungen auf breiter Arbeitsmarktebene noch statistisch insignifikant.

Warum gerade Softwareentwicklung und Kundenservice?
Das sind Bereiche, in denen KI textbasierte Aufgaben übernehmen kann, die stark regelbasiert sind und klare Inputs/Outputs haben. Andere Bereiche – etwa Anwälte, Ärzte, Manager – erfordern komplexere Abwägungen, die KI noch nicht zuverlässig genug abbilden kann.

Sollte ich mir Sorgen machen, wenn ich in der Softwareentwicklung arbeite?
Die Effekte sind bereits sichtbar. 30 % Produktivitätsgewinn in diesem Bereich bedeutet nicht, dass 30 % der Jobs verschwinden – aber es bedeutet, dass weniger Menschen mehr Output erzeugen können. Das verändert Einstellungsverhalten. Besonders Einstiegspositionen könnten betroffen sein.


Quelle: Fortune: Goldman finds no relationship between AI and productivity but a 30% boost for 2 specific use cases

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